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Die Geisterstunde: Datum niemals nachts stellen

Bestwrist Redaktion5 Min. LesezeitAktualisiert am 21.08.2026

Es ist der teuerste Handgriff, den ein Uhrenbesitzer machen kann — und er dauert zwei Sekunden. Wer das Datum zur falschen Tageszeit per Schnellschaltung weiterdreht, kann Zähne im Datumsmechanismus beschädigen. Der Schaden zeigt sich oft erst Wochen später, wenn das Datum plötzlich nicht mehr springt. Diese Regel kennt jeder Uhrmacher, und fast kein Käufer bekommt sie beim Kauf gesagt.

Was zwischen 21 und 3 Uhr im Werk passiert

Der Datumswechsel um Mitternacht wird nicht schlagartig ausgelöst, sondern über mehrere Stunden vorbereitet. Ein Mitnehmerfinger greift bereits am Abend in die Verzahnung des Datumsrings, spannt eine Feder und schiebt den Ring langsam vor, bis er um Mitternacht einrastet. In dieser Phase sind die Bauteile im Eingriff und unter Spannung. Betätigen Sie jetzt die Schnellschaltung, arbeiten zwei Mechanismen gegeneinander — feine Zähne aus Messing gegen einen gehärteten Finger. Was nachgibt, ist selten der Finger.

Der genaue Zeitraum unterscheidet sich je nach Werk; verbreitet ist eine Spanne von etwa 21 bis 3 Uhr, bei manchen Konstruktionen auch weiter. Weil man dem Werk von außen nicht ansieht, wo genau seine Grenzen liegen, gilt eine einfache Faustregel für alle.

Die goldene Regel: erst auf 6 Uhr, dann Datum

Drehen Sie die Zeiger zuerst auf etwa 6 Uhr. Dort ist der Datumsmechanismus garantiert außer Eingriff. Erst dann das Datum schnellschalten, danach die Uhrzeit einstellen. Zwei Sekunden Mehraufwand, und das Thema ist für immer erledigt — bei jeder Uhr, jeder Marke, jedem Werk.

12369SPERRZONEca. 21 – 3 UhrSichere Zone: Zeiger auf 6 Uhr1. Zeiger auf 6 Uhr2. Datum schnellschalten3. Uhrzeit stellen4. Krone verschrauben
Die obere Zifferblatthälfte ist tabu: Zwischen etwa 21 und 3 Uhr greift der Datumsmechanismus ineinander. Zum Stellen die Zeiger vorher auf 6 Uhr bringen.

Woher wissen Sie, ob Ihre Uhr AM oder PM zeigt?

Eine Uhr mit Zwölfstundenanzeige verrät nicht, ob sie gerade vormittags oder nachmittags läuft — und wer das ignoriert, stellt das Datum verlässlich um zwölf Stunden falsch. So finden Sie es heraus: Stellen Sie das Datum auf den Vortag. Drehen Sie dann die Zeiger vorwärts, bis das Datum springt. In diesem Moment steht die Uhr auf Mitternacht. Von dort aus vorwärts auf die aktuelle Uhrzeit — und die Uhr weiß nun, ob es Vormittag oder Abend ist.

Uhren ohne Schnellschaltung

Ältere und einige puristische Werke haben keine Datums-Schnellschaltung. Hier wird das Datum durch mehrfaches Vorwärtsdrehen über Mitternacht gestellt. Das ist mühsam, aber unbedenklich. Manche Werke kennen den „Wippen"-Trick: Zeiger knapp über Mitternacht, dann zurück auf etwa 20 Uhr, erneut vorwärts — so springt das Datum jeweils weiter, ohne einen vollen Umlauf. Ob Ihr Werk das mag, verrät die Bedienungsanleitung; im Zweifel einfach vorwärts drehen.

Kronen richtig behandeln

Bei verschraubten Kronen erst vorsichtig lösen, bis die Krone von selbst herausspringt — nie mit Kraft ziehen. Nach dem Stellen unbedingt wieder festschrauben: Eine nicht verschraubte Krone ist die häufigste Ursache für Wasserschäden an Uhren, die eigentlich wasserdicht wären. Und stellen Sie Zeiger nach Möglichkeit vorwärts. Rückwärts ist bei den meisten Werken zwar zulässig, arbeitet aber gegen die Konstruktionsrichtung.

Jahres- und ewige Kalender: die Anleitung gilt

Bei Kalenderkomplikationen hängen Datum, Wochentag, Monat und Mondphase an einem gemeinsamen Räderwerk. Hier gilt nicht nur die Geisterstunden-Regel, sondern zusätzlich: nichts rückwärts stellen, keine Korrekturdrücker während des Schaltvorgangs betätigen, und stehen gebliebene Uhren strikt nach Herstelleranleitung neu aufsetzen. Eine falsch nachgestellte Kalenderkomplikation ist der einzige Fall in diesem Text, bei dem ein Bedienfehler wirklich teuer wird.

Die häufigsten Bedienfehler auf einen Blick

  • Datum schnellschalten, während die Uhr im Nachtbereich steht.
  • Krone nach dem Stellen nicht wieder verschrauben.
  • Chronographen-Drücker unter Wasser oder bei ungesicherter Krone betätigen.
  • Datum bei Kalenderkomplikationen rückwärts stellen.
  • Die Uhr am Handgelenk aufziehen — der schräge Zug belastet Krone und Aufzugswelle. Besser abnehmen und gerade aufziehen.
  • Eine Drehlünette gegen ihre Sperrrichtung zwingen.

Fazit

Zeiger auf 6 Uhr, dann Datum, dann Uhrzeit, dann Krone verschrauben. Vier Handgriffe in dieser Reihenfolge — und die häufigste vermeidbare Werksreparatur findet nie statt.

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