Kaum ein Name hat die moderne Uhrenwelt so geprägt wie der von Gérald Genta — und kaum einer ist außerhalb der Sammlerszene so unbekannt. Dabei stammen einige der begehrtesten Uhren überhaupt von ihm: die Audemars Piguet Royal Oak, die Patek Philippe Nautilus, die IWC Ingenieur SL. Genta hat nicht nur einzelne Modelle entworfen, sondern eine ganze Kategorie erfunden: die Luxus-Sportuhr aus Stahl.
Wer war Gérald Genta?
Genta wurde 1931 in Genf geboren und lernte zunächst das Handwerk des Goldschmieds und Juweliers. Anfang der 1950er begann er, als freier Designer für Uhrenmarken zu zeichnen — für ein festes Honorar pro Entwurf, oft ohne dass sein Name je öffentlich genannt wurde. Über die Jahrzehnte entstanden so tausende Entwürfe für zahlreiche Marken. 1969 gründete er sein eigenes Label, das vor allem für aufwendige Komplikationen und für verspielte Uhren mit Disney-Figuren bekannt wurde. Genta starb 2011 in Genf.
1972: Die Royal Oak verändert alles
Anfang der 1970er steckte die Schweizer Uhrenindustrie in der Krise, die Quarzuhr drängte auf den Markt. Audemars Piguet wollte etwas Neues zeigen — und Genta lieferte der Überlieferung nach über Nacht den Entwurf: eine Uhr aus Stahl, mit achteckiger Lünette, acht sichtbaren Sechskantschrauben, einem „Tapisserie"-Zifferblatt und einem ins Gehäuse übergehenden Gliederband. Als Vorbild nannte Genta den Helm eines Tiefseetauchers. Vorgestellt 1972 als Referenz 5402ST, kostete die Royal Oak mehr als manche Golduhr ihrer Zeit. Viele hielten das für Wahnsinn — heute gilt sie als eine der wichtigsten Uhren des 20. Jahrhunderts.
1976: Die Nautilus für Patek Philippe
Vier Jahre später zeichnete Genta für Patek Philippe die Nautilus. Der Legende nach entstand die erste Skizze in einem Hotelrestaurant während der Uhrenmesse in Basel. Vorbild war das Bullauge eines Ozeandampfers: ein weich gerundetes Gehäuse mit den seitlichen „Ohren" und ein horizontal geprägtes Zifferblatt. Die erste Referenz 3700/1A war mit 42 Millimetern für damalige Verhältnisse riesig, und Patek bewarb sie selbstbewusst als eine der teuersten Uhren der Welt — aus Stahl.
Weitere Genta-Entwürfe
- Universal Genève Polerouter (1954): einer seiner frühesten Entwürfe, mit charakteristisch gefasstem Minutenring — heute ein gesuchter Vintage-Klassiker.
- IWC Ingenieur SL (1976): die „Jumbo"-Ingenieur mit Lünette mit fünf Bohrungen und integriertem Band, eng verwandt mit Royal Oak und Nautilus.
- Bulgari Bulgari (1977): das Gehäuse mit der doppelt gravierten Lünette, inspiriert von römischen Münzen.
- Cartier Pasha (1985): die runde Uhr mit der Kronenkappe an der Kette.
Nicht jede Uhr, die nach Genta aussieht, stammt von ihm. Die Royal Oak Offshore von 1993 etwa entwarf Emmanuel Gueit — Genta selbst soll von der wuchtigen Interpretation seines Entwurfs wenig gehalten haben.
Woran man einen Genta-Entwurf erkennt
- Integriertes Band: Gehäuse und Band gehen ohne sichtbaren Übergang ineinander über — die Uhr wirkt wie aus einem Stück.
- Sichtbare Technik als Schmuck: Schrauben, Bohrungen und Kanten werden nicht versteckt, sondern betont.
- Flach und geometrisch: klare Grundformen wie Achteck oder Bullauge, sehr schlanke Gehäuse.
- Wechsel von Oberflächen: satinierte Flächen und polierte Fasen im Wechsel geben dem Stahl Tiefe.
Sein Erbe
Gentas Idee — ein Luxusobjekt aus einem vermeintlich einfachen Material, getragen wie eine Sportuhr — prägt die Branche bis heute. Integrierte Stahlsportuhren gehören inzwischen bei fast jeder großen Marke zum Programm, und die beiden Urmodelle Royal Oak und Nautilus zählen zu den gefragtesten Uhren auf dem Gebrauchtmarkt. Auf Bestwrist finden Sie Royal Oak, Nautilus und weitere Genta-Klassiker von verifizierten Händlern — mit Treuhand-Zahlung und Käuferschutz.